wildeheart
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Rudi ist nervös. Und das will was heißen, ist er doch eigentlich ein Typ mit stahlharten Nerven. Doch seine Hand zittert beim Schreiben und eigentlich würde sie gerne etwas anderes tun. Nämlich in das Haar der Frau, der er gegenübersitzt greifen und hineinwühlen, die Struktur erfahren, nicht mehr loslassen.

Sie besitzt in der Tat außergewöhnliches Haar. Eigentlich gar nicht attraktiv im geläufigen Sinne. Es ist nicht lang, sondern lockig, fast kraus und leuchtet in der Farbe des Mondscheins. Rudi schiebt diesen Gedanken beiseite und schimpft sich einen Esel. „Mondscheinfarbenes Haar, du Idiot, das Haar ist nur grau und reflektiert das Licht der Neonröhren in deinem Büro, mach deine Arbeit und sieh zu, daß Du nach Hause kommst", sagt er sich.
Er muss ein Protokoll erstellen, sterbenslangweilige Scheißarbeit, aber das gehört zum Alltag eines Ermittlers.
Er sieht sie an und fragt sie, woher sie das Stückchen Haschisch habe, das man bei ihr fand und ob sie andere Drogen nimmt. Er sieht wie eine Locke in ihr Gesicht fällt und die Brauen über den Augen erreicht. Den Augen, aus denen sie ihn forsch, herausfordernd ansieht. Sie grinst und erzählt, dass sie sich schon seit Jahren keine Drogen mehr gekauft habe, nur heute, denn heute sei es soweit. Rudi ist verwirrt. Was sei denn heute? Glaubt sie etwa den schwachsinnigen Meldungen, die seit Tagen durch die Medien gehen? Er schweigt.

Eigentlich ist es ihm egal was sie glaubt, etwas geht von ihr aus, was ihn zutiefst aufwühlt, diese Augen, die ihn anblicken und einfach in seine Seele eintreten möchten, ohne zu fragen, entwaffnend, so dass er nur zu gerne und mit Freude „Herein" sagen möchte. Und es ist da noch etwas, was ihm Angst macht. Doch was das ist, kann er nicht bestimmen.

Rudi ist froh, als alle Formalitäten erledigt sind, er die Frau wieder heimschicken kann. Die Menge ist zu gering als dass er große Lust hätte, weitere Schritte einzuleiten. Außerdem will er diese Frau nicht hinter Gittern wissen, dieser Gedanke missfällt ihm zutiefst.
Es ist 23:54 Uhr als sie das Büro verlässt, seltsamerweise prägt sich diese Uhrzeit bei ihm ein, er hastet zum Spind, packt seine Sachen und geht. Schnell nach Hause, in die Normalität, etwas essen, die erotische Spannung, die sich in ihm angestaut hat abreagieren, betrinken, fernsehen. Egal was, nur weg.
Er biegt ab in die Straße neben dem Dezernat, da steht sie. Vor einem Werbeplakat. Als sie ihn sieht, löst sie sich aus dem Bild und kommt auf ihn zu.
Jetzt sieht er, dass ihr Haar wirklich die Farbe des Mondes hat, der blass und als abgeschnittene Hälfte am Himmel hängt. Sie steht vor ihm, ihr geheimnisvolles, auf irritierende Weise schönes Gesicht sieht ihn an und sie sagt: „Noch drei Stunden, willst Du bei mir bleiben, bis es soweit ist?" Es erscheint ihm alles verrückt, doch anstelle dass er dies äußert hört er sich zustimmen. Sie küsst ihn, sanft und doch mit einer Intensität, dass er ihr danach folgt als sei es das normalste auf der Welt.


Es 03:04 als er wieder auf die Uhr blickt. Er ist gelöst und glücklich. Neben ihm liegt sie und sieht ihn an. „Gleich ist es soweit, murmelt sie. „Nun ist es egal, ob man arm oder reich ist, wer oder was oder was man glaubt. Alle unsere dummen kleinen Probleme sind nichtig." Sie nimmt seine Hand und führt sie an ihre Brust, liebkost ihn mit ihren Fingern und ihren Augen, diese sind tiefblau, fast schwarz. Das Licht spiegelt sich in ihnen, er blickt ins Universum, sieht Millionen von Sternen, Milchstraßen, Galaxien. Er sieht das Sonnensystem und die Erde. Just als er den Asteroiden erblickt, der im Moment auf diese kleine Murmel zuschießt.



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